Texte überarbeiten oder Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung
Anlass für diesen Beitrag ist der Blogartikel „Luft ablassen“von Christian Spannagel.
So leid es mir tut es sagen zu müssen, aber einen Text zu überarbeiten nur um des Überarbeitens willens ist , naja, nicht motivierend. Und ohne Motivation stimmt das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht. Ergo: ich lass das Überarbeiten sein bzw. ich mache es schlampig. Woher ich das weiß? Reine Selbsterkenntnis! Da diese bekanntlich der erste Schritt zur Besserung ist (und man ja schließlich nicht nur selbst aus seinen Fehlern lernen kann) gibt es hier eine kurze Übersicht meiner Gründe Texte (im Studium) nicht zu überarbeiten. Zusammengefasst sind es nicht viele , die meisten fielen unter Punkt 1. Außerdem versuche ich Möglichkeiten zu finden, wie Lehrer /Dozenten damit umgehen können. (Aus diesem Grund auch die Abkürzung Sus für Schüler und Schülerinnen UND Studenten und Studentinnen, denn ,ganz ehrlich, so groß ist der Unterschied nicht)
1. Die mangelnde Motivation
Daran kann letztendlich niemand etwas ändern mit Ausnahme des Schreibers. Ultimativer Tipp dazu: Mach dir nur für die SuS die Mühe, die auch wirklich möchten.
Könnte so ablaufen: SuS sagen/erklären warum es aus deiner Sicht Sinn macht einen Text noch einmal zu überarbeiten. Dann ein einfaches Kästchen auf dem Deckblatt jeder Hausarbeit /Aufsatz „Ich wünsche mir a) eine Rückmeldung zu meiner Arbeit und möchte sie b) noch einmal überarbeiten./ Ich wünsche mir c) keine Rückmeldung.“ [das a) Kästchen kann man auch weglassen]. Wichtiger Hinweis: Es ist ein Angebot und damit auch in Ordnung es nicht anzunehmen.
Was für einen Effekt verspreche ich mir dadurch:
Die SuS müssen selbst den A… in Bewegung setzen; sich klar werden was sie überhaupt wollen. Das Überarbeiten ist dann nicht mehr das was jemand Fremdes verlangt, sondern etwas sie wollen und bereit sind zu leisten. Sie sollen sich als Verursacher ihrer Handlung fühlen (Ich überarbeite den Text weil, ich es will um besser zu werden; – eine bessere Note zu erhalten; – ein Themengebiet weiter kennenzulernen usw.) sein, sich autonom und ernst genommen fühlen. Deshalb dürfen sie das Angebot ja auch ausschlagen oder erweitern z.B. durch bestimmte Fragestellungen („Achten Sie bitte auf XYZ“ o.ä.)
(Stichwort: Motivationspsychologie: „Prozess der Internalisierung“ / Wild u.a. „Psychologie des Lerners“S. 212-238)
2. Wie überarbeitet man den eigene Texte?
Wie Tom schon festgestellt hat müssen viele Schüler ,während ihrer Schulzeit, ihre Texte nicht überarbeiten bzw. es erfüllt für sie keinen Zweck ( Ich habe auch das Schreiben von Konzepten als vollkommen sinnlos erlebt, da ich das Konzept nicht als Strukturhilfe angenommen habe sondern nachher nur das Konzept mit Füller 1:1 ins Heft abgeschrieben habe). Woher sollen sie dann plötzlich als Studenten wissen, wie man effektiv an seinen Texten arbeitet. Wie man Distanz gewinnen kann (kann ich bis heute nicht) ; welche Methoden es zur Überarbeitung gibt (Satz für Satz lesen etc.). Es ändert sich gerade einiges zu diesem Thema in den Schulen. Mit Portfolios und anderen Methoden wird versucht mehr Gewicht auf den Überarbeitungsprozess zu legen und Arbeitstechniken zu lernen, die das Überarbeiten eigener Texte erleichtern. Wichtig dabei ist aber auch immer die Motivation. In einigen Schulen und den meisten PHen gibt es eine Schreibberatung,die bei solchen Problemen (und natürlich anderen) weiterhelfen können. Aber auch hier gilt: Selber darum kümmern lassen.
(vgl. Martin Fix: „Texte schreiben – Schreibprozesse im Deutschunterricht“) .
3.Die Hoffnung stirbt zuletzt
Zugegeben, ein Grund ist das nicht, trotzdem vielleicht eine Ermutigung für alle Lehrer /Dozenten. Wie bereits erwähnt habe ich auch nicht immer und nicht alle Texte überarbeitet, die ich hätte überarbeiten sollen. Ich habe es mir in dieser „Hängematte“ der oben genannten Gründen (manchmal auch mit anderen ausreden) bequem gemacht. Ich bin jetzt im Referendariat. Letzte Woche im Deutschunterricht spricht mein Mentor ein ähnliches Problem an (es ging generell um die Arbeitshaltung der Schüler in diesem Fall im Fach Deutsch), gebrauchte auch den Begriff „Hängematte“ und stellte das Problem, das er sieht sehr anschaulich dar. Bei der anschließenden Diskussion mit den Schülern (weiterhin auf dieser Metaebene) hörte ich ähnliche Gründe wie die, die ich immer genannt habe; wie sie auch (da bin ich mir sicher) andere Studenten und Schüler nennen werden, wenn man sie fragen würde.
Mir hat dieser Perspektivenwechsel (von der Schülerin zur Studentin zur Lehrerin) viel gebracht. Ich werd´s halt jetzt lernen, bedaure zwar die verpassten Chancen etwas aber Selbsterkenntnis ist der erste …
Es hätte mir auch nichts gebracht hätte sich ein Lehrer oder später Dozent hingestellt und mich gezwungen etwas zu machen. Im Gegenteil!.Ich werde eben viel jetzt von meinem Mentor lernen und im Nachhinein Dozenten als Rollenmodell wertschätzen.
In Kurz bzw. Fazit:
Ohne Motivation überarbeitet niemand seine Texte. Zuviel Aufwand für zu wenig Nutzen.
1. Biete es als besonderes Angebot an , dass auch jeder ausschlagen darf. Solange die Person vorher Bescheid sagt, da es ja auch für dich Aufwand bedeutet. (Ziel: Veränderung der Motivation)
2. So blöd es klingt: Stell fest, ob die SuS wissen, wie man Texte überarbeitet. Wenn nicht gibt es bestimmt auch bei euch eine Schreibberatung.(Ziel: Lernen mit seinen Texten kritisch umzugehen)
3. Hoffnung nicht aufgeben!!! Manche lernen es erst später (*mich zaghaft melden*) und haben im Nachhinein etwas davon, wie Herr Larbig bereits erwähnte.
Mit einem schönen Gruß von einer der 90 %
P.S. Um Überarbeitungsvorschläge wird hiermit ausdrücklich gebeten !

Hey, Rebecca! Wie geht’s dir?
Danke für deine ausführliche Blog-Antwort!
Ich verstehe deinen Hinweis, das die Studierenden selbst entscheiden lassen zu wollen. Allerdings habe ich damit auch ein Problem: Ich möchte eigentlich schon von jedem verlangen, den Text nochmal zu überarbeiten, weil ich mir sicher bin, dass es absolut notwendig ist, um die Qualität zukünftiger Texte zu steigern. Und: Es ist klar, dass man keine Lust darauf hat. Ich denke, man muss aber mal dazu “gezwungen” werden und so etwas durchlaufen, um anschließend auch den Wert zu erkennen. Ich möchte eigentlich nicht, dass sich jemand einfach so darum drücken kann, weil er keinen Bock darauf hat…
… ich bin hin- und hergerissen… ich sehe natürlich auch, dass es einen besonderen Wert hätte, wenn man sich als Student explizit entscheidet, Feedback zur Überarbeitung haben zu wollen…
… spricht für: mal das eine, mal das andere ausprobieren, würde ich sagen…
Danke!
hi,
kann ich verstehen, nur dann solltest du entweder für die Studenten eine gute Motivation schaffen. So wünschenswert es wäre, aus reinem Spaß am Lernen wird es erstmal keiner machen. Also doch die Notenkeule und dann für die Verbesserung eine zweite Note geben? Ist auf die Dauer bestimmt auch nervig.