LdL für Ahnungslose
Tja so schnell kann es gehen. Man sitzt ahnungslos und erwartungsvoll in der ersten Sitzung eines Seminares und bekommt das Seminarkonzept vorgestellt. Un da war es. Das Stichwort. LdL. Was dass wohl bedeutet? Lesen durch Lust; Lerne doch leichter; Lass das Lieber…
Nein, des Rätsels Lösung erfolgt stehenden Fußes: Lernen durch Lehren.
[es folgt ein kleines fiktives Gespräch mit meinem damaligen (E) und meinem jetzigen ich (A). wem das zu anstrengend oder langweilig wird kann sich einfach bis ans Ende durchscrollen und gleich die interessanten Links auf Filme etc. ausprobieren.]
E.: HmmmAlso viel weiter hilft mir das auch nicht!
A.: Das Grundproblem in vielen Schulen sit doch, dass Schüler in die Schule gehen dort den Stoff mehr oder weniger erfolgreich vorgetragen bekommen und dann wieder nach Hause gehen um sich mit den wirklich wichtigen Dingen zu beschäftigen. Gelerntes bleibt nur bis zur nächsten Klassenarbeit im Kopf und wird danach wieder vergessen.
E.: So überspitzt würde ich das nicht sagen, es gibt doch genügend andere Methoden und Sozialformen um den Unterricht interressant und lehrreich zu gestalten.
A.: Stimmt, aber wann hast du den am besten gelernt?
E.: Am besten… das ist schwer zu sagen. Ich kann mich an einige Themen besser erinnern als an andere. Da war zum Beispiel der Yellowstone Nationalpark in Erdkunde als wir Amerika durchgenommen hatten. Da musste jeder etwas interessantes über Amerika raussuchen und den anderen erzählen. Oder dann in Mathe als wir die Gleichungen durchgenommen haben. Die Frage war ungefähr so formuliert: Ein Insektenforscher möchte wissen, wieviele Spinnen und Fliegen er hat. Allerdings ist ihm das Zählen zu langweilig also zählt er alle Beine seiner Tiere. Es waren .. keine Ahnung wie viele Beine knapp über hundert oder so. Er weiss dass er insgesamt 21 Tiere hat. Wieviele Spinnen und Fliegen hat der Insektenforscher. Das interessante war, dass wir alleine auf die Lösung kommen sollten. Tja und Gleischunge mit zwei unbekannten waren von da an mein absolutes Lieblingsthema. Nicht dass ich besonders schlau gewesen wäre. Ich hab einfach ausprobiert wieviele Spinnenbeine ich zusammenzählen konnte und wieviele Fliegenbeine dann noch übrig bleiebn oder so ähnlich. Unser Lehrer hat uns dann am Ende gefragt, wie wir auf unsere Lösungen gekommen sind. Einer von den Jungs hatte tatsächlich eine Gleichung aufgestellt und uns erklärt wi er darauf gekommen ist.
A.: Sag mal dein Mathelehrer hieß nicht zufällig Jean-Pol Martin?
E.: Nee. Herr Labe oder Lebe oder so ähnlich warum?
A.: Weil du Ansätze von Lernen durch Lehren gerade beschrieben hast, dessen Gründer Jean-Pol Martin ist. LdL bedeutet, dass sich Schüler zuerst selbst sachliche Inhalte erarbeiten und dann den anderen in der Klasse erklären.
E.: Wie soll dass den gehen? Der Stoff ist doch viel zu schwer und unübersichtlich und überhaupt was macht da der Lehrer, wenn die Schüler die ganze Arbeit machen?
A.: Genau das. Der Lehrer findet zusammen mit den Schülern ein interessantes Thema. Teilt dann die Klasse in Teams auf (oder die Schüler sich selber), die dich dann kleinere und überschaubarere Inhalte des Themas erarbeiten. Der Lehrer muss natürlich ausreichend gutes Material bereit halten und bei Fragen helfen. Nimm doch dein Beispiel aus dem Erdkundeunterricht. Ihr habt das Thema Landschaften in Amerika in Erdkunde, dann kann sich ein Team mit dem Yellowstone Park auseinander setzen, ein anderes mit Salt Lake usw. Am Ende…
E.: …was du beschreibst gibt es schon. Nennt sich Gruppenarbeit und ist furchtbar langweilig!
A.: Wieso langweilig?
E.: Während die Gruppen arbeiten geht´s ja noch aber bis dann alle präsentiert haben braucht es immer so lange und die meisten hören dann schon gar nicht mehr zu. Dann wissen sie vielleicht noch ihr Thema aber das der anderen schon nicht mehr, und das noch vor der Klassenarbeit!
A.: Das ist ja das besondere an LdL. Die Schüler präsentieren nicht einfach sondern „unterrichten“ ihre Klassenkameraden. Sie stellen ihnen Aufgaben, lassen sie Lückentexte ausfüllen oder Inhalte zusammenfassen und wiederholen. Die Klassenkameraden müßen dann natürlich auch fragen an die Schüler-Lehrer stellen z.B. wenn sie etwas nicht verstanden haben oder etwas genauer erklärt werden soll.
E.: Aber was tut denn dann der Lehrer?
A.: Er ist der Moderator des ganzen. Er sorgt für Ruhe, gibt den Schüler-Lehrern Tipps wie sie besser erklären können, also im Grunde für eine angenehme Lernatmosphäre.
E.: So toll finde ich das immer noch nicht. Wie sieh es zum Beispiel mit Schülern aus, die keinen Ton sagen oder teams die sich nicht versthen und schreiben die Schüler auch ihre Klassenarbeiten selber? dann würde ich mich über bessere Noten nicht mehr wundern.
A.: Es wird kein Schüler gezwungen zu unterrichten. Der Lehrer versucht zwar die Schüler zu ermutigen aber gezwungen wird keiner. Die Noten werden auch nicht nur über Klassenarbeiten ermittelt, die übrigens der Lehrer schreibt, sondern auch durch Hausaufgaben oder kleinen Tests.Am Ende ermittelt man dann den Durchschnitt. Die Schüler verbessern ihre mündliche Note.
E.: Ja, aber dann lohnt es sich für die Schüler doch gar nicht.
A.: Das sehen die Schüler aber anders. Erstmal lernen sie natürlich ihr Thema viel besser kennen, dann müssen sie sich überlegen, wie sie dass den anderen Schülern beibringe könen, so vertiefen sie ihr Wissen noch einmal. Dadurch lernen die Schüler-Schüler Sachverhalte ganz anders kennen als wenn sie der Lehrer erklärt. Denk doch an denJungen, der euch die Gleichungen erklärt hat. Er hat sie euch bestimmt anders erklärt als der Lehrer es getan hätte. Vielleicht wärst du dann gar nicht mehr so begeistert gewesen.
E.: Ich bin immer noch skeptisch.
A.: Dein gutes Recht aber es lohnt sich sich damit zu beschäftigen.Du kannst dich ja weiter informieren. Zu Anfang würde ich dir diesen kleinen Film empfehlen, den eine Kommilitonin von mir erstellt hat. Dann gibt es natürlich einen Wikipedia Eintrag: http://de.wikipedia.org/wiki/Lernen_durch_Lehren oder du wendest dich direkt an den „Erfinder“ und schaust dich mal auf seiner Seite um. Wir waren vor kurzem bei ihm und seiner Schulklasse in Eichstätt und haben uns so einen Unterricht anschauen können. Herzlichen Dank an Jean-Pol und an seine Klasse! Lutz Berger war auch mit dabei und hat jetzt einen kleinen Film auf seinen Blog veröffentlicht. Es loht sich mal drauf zu schauen. Dort findet man auch seinen Film über unser Seminar.
Schön und vielen Dank!
| Verfasst 9 months, 1 week agoHallo Rebecca,
netter Dialog – den ein oder anderen Disput, den du hier beschreibst, habe ich in mir drin auch schon ausgetragen…
| Verfasst 9 months, 1 week agoHallo Rebecca,
dieser Dialog macht mir Spaß!
| Verfasst 8 months, 2 weeks ago